Maturaball 1996 der HTBLA Zeltweg

Schon seit der Antike waren die Menschen ja immer auf der Suche nach denjenigen Sehenswürdigkeiten, welche in ihren Augen die Kulturleistungen der Menschheit am großartigsten zu repräsentieren imstande waren. Und so nahmen sie derer sieben an der Zahl, welche heute gemeinhin als die „Sieben Weltwunder des Altertums“ bekannt sind: Die Pyramiden, die hängenden Gärten der Semiramis, der Artemistempel, das Kultbild des Zeus von Olympia, das Mausoleum zu Halikarnassos, der Koloß von Rhodos und der Leuchtturm von Pharus. Wir haben somit hoffentlich den Ansprüchen der Bildungsbürger unter unserer geschätzten Leserschaft Genüge getan und kommen nun zum wesentlichsten Weltwunder der Neuzeit: Dem Maturaball der HTBLA Zeltweg!Zu meiner Entschuldigung möchte ich gleich erwähnen, daß es mir aus erholungstechnischen Gründen erst einige Monate nach dem Ball möglich war, in die Tasten zu greifen, und diesen Bericht zu verfassen. Womit vielleicht manch schönes Detail verlorengegangen sein könnte oder einer leichten Wandlung anheim gefallen ist. Man möge mir verzeihen. Ja, am 20. Jänner war es wieder soweit. Das Aichfeld verlagerte seinen Bevölkerungsschwerpunkt an unsere Schule. Zigtausende begehrten Einlaß, und wie dieses „zig“ zu interpretieren ist, darüber gibt es offizielle Angaben, Spekulationen und kolportierte Gerüchte. Wir wissen nur eines: Es waren SEHR viele! Und so verwundert es auch nicht weiter, daß die Maturanten heuer erstmals über Funk miteinander Kontakt hielten, was ihre anfangs doch etwas seltsam anmutende Kopfbedeckung erklärt. Diese Funkverbindung war wohl auch notwendig, denn ob man ohne diese jemanden, den man im Getümmel suchte jemals (wieder) fand, an dem war zeitweise doch zu (ver)zweifeln. Aber natürlich ließ ich mich davon nicht beirren und bahnte mir meinen Weg durch die Gänge. Zuerst wollte ich mir natürlich noch die Polonaise anschauen, da ich bei den vorangegangenen sieben Bällen ja keine Gelegenheit hatte, sie mitzuerleben. Es blieb nicht dabei, nun habe ich sie zum achtenmal übersehen. Was allerdings auch daran lag, daß es mir in siebenter Reihe stehend nicht gelang drüberzusehen. Aber wie ich hörte war sie sehr schön. So begann ich nun meinen Streifzug durch das Gebäude und durch die scheins immer zahlreicher werdenden Bars. Und ich bin froh daß es mir bereits einige Tage zuvor möglich war, die Dekoration zu bewundern. Denn am Tag des Balls bietet sich dafür oft kaum noch Gelegenheit. An Bars hatte der Ball wieder für die verschiedensten Geschmäcker etwas zu bieten (sofern sie nicht das Einsiedlerleben bevorzugen). Von den gemütlichen Bier- und Weinstubn, über das „Take Five“ (einer der seltenen Inseln der Ruhe, und die Musik vom Klavier war sehr angenehm), die dunkle Mystery-Bar, das Tut-ench-Amun, die Disco, eine Energydrinkbar und die Bar mit dem ominösen Namen ______ (Bunkar, angeblich aus Tschechien importiert). Etc. Etc. ... Und in einem Großteil von ihnen spielte auch noch Livemusik. In diesen Bars kam nun keine gedämpfte Stimmung auf (zumindest wirkte eine solche etwas deplaziert) und was ebenfalls kaum gedämpft war, war die Lautstärke der Musik, und das in beinahe allen Bars. Ich verstehe es ja, nur wenige Monate nachdem man sich das Gehör bei Bon Jovi ramponiert und dann bei den Stones endgültig verloren hat, mögen manche zehn Dezibel mehr nicht mehr stören, für andere bedeutet das aber immer noch eine Verdoppelung. Und so war es durchaus angenehm als in der Disco der eine oder andere Beat in der Sekunde zuviel durch die Boxen gejagt wurde und es zu einem kurzen Stromausfall kam, der auch in der Bierstubn dem Trommelfell einige Momente der Erholung gönnte. Aber das sollte der guten Stimmung natürlich keinen Abbruch tun. Zumal es auch diesmal viele Menschen zu treffen gab, so Freddy Mercury in der Disco, mindestens einen Papst und selbst Doktor Schiwago, der noch zu früher Morgenstunde ein Ständchen zum Besten gab. Natürlich traf ich auch wieder etliche Absolventen, wobei es allerdings möglich ist, daß ich zu etwas späterer Stunde schon etwas seltsam geworden war, was auch daran lag, daß ich vorhatte ein Cola-Whiskey zu trinken, ein nettes Mädchen an der Bar allerdings feststellen mußte, daß zu dieser Zeit das Cola bereits ausgegangen war. Worauf der Whiskey eben mit Whiskey aufgefüllt wurde. Dafür war das Glas etwas besser angefüllt. Die Einladungen auf ein Getränk beim nächsten Absolventenvereinstreffen bleiben aber selbstverständlich aufrecht. Interessant zu beobachten war auch, daß der technische Fortschritt auch insofern am Ball zu bemerken war, als heuer nicht nur mehr Adressen und Telefonnummern ausgetauscht wurden, sondern scheinbar auch jeder bereits eine eigene E-Mailadresse besitzt. Weniger eine E-Mailadresse besessen haben, als eher im Öl gewesen sein dürften leider einige etwas unangenehmere Leute vom Wachdienst, wie eine Zeitung berichtete. Ich bin ja auch nicht unbedingt ein Niveaufetischist, aber es genügt eben nicht, wenn nur der Hund ein wenig Gehirn besitzt und sein Herrl nicht. Deshalb sollte man sich vielleicht doch überlegen, auch an den Hundeführer einen Beißkorb auszugeben oder gar Leute zu engagieren, die unter die 10 Millionen intelligentesten Österreicher einzustufen sind (faire Chance!). Doch dann kam der Moment, an dem ich bemerkte, daß nun doch schon mit den Abräumarbeiten begonnen wurde und wagte einen verstohlenen Blick auf meine Uhr. Wobei ich feststellen mußte, daß die Stunde nun doch schon etwas fortgeschritten war. Dies war dann auch der Augenblick, an dem ich noch einmal durch das ehrwürdige Gebäude marschierte und allen diesjährigen Maturanten meine Gratulation zu diesem wieder sehr gelungenen Ball ausdrückte. Und ich nicht umhin konnte mir noch zwei Wegweiser zur „The Mystery“ und zum „Bunkar“ zu schnappen, die mir am Nachhauseweg sehr hilfreich waren, da sie mir, wie ich heute weiß, erfolgreich den Weg zeigten. Also, dann bis zum nächsten Jahr!