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Offener Brief von Fohnsdorfs Bürgermeister Straner an den Bundesminister zur Stationierung aller 18 Eurofighter in Zeltweg im Juni 2005:
Sehr geehrter Herr Bundesminister!

Mit größter Verwunderung und Bestürzung musste ich in den vergangenen Tagen die Pläne des Bundesheeres in Bezug auf die Veränderungen, beziehungsweise Schließungen von einzelnen Kasernen vernehmen. Im Besonderen erregt die Schließung des Stützpunktes Graz-Thalerhof meinen Unmut, da die logische Konsequenz daraus die Stationierung aller 18 Abfangjäger des Typs Eurofighter in der Fliegerwerft Zeltweg bedeutet.

Als Bürgermeister der Gemeinde Fohnsdorf � jener Anrainergemeinde, die wohl die höchste Lärmbelastung durch den Flugbetrieb zu tragen hat � verweise ich auf jene Vereinbarung, die der Gemeinde Fohnsdorf zusichert, dass nur die Hälfte der angekauften Flugkörper in Zeltweg stationiert werden.

Die Übernahme aller 18 Eurofighter bringt eine enorme Steigerung der Lärmbelastung für die umliegenden Gemeinden und insbesondere für die Gemeinde Fohnsdorf, die unmittelbar an die Landebahn im Westen angrenzt, mit sich. Ende der 80er-Jahre wurden aufgrund der Lärmbelastung von 105 dB Dauerschall bereits sehr viele Liegenschaften durch die Republik Österreich abgelöst. Aufgrund der zu erwartenden Steigerung des Lärmpegels durch die Stationierung aller neuen Abfangjäger muss auch eine erneute Abwanderungswelle aus dem Aichfeld befürchtet werden.

Diese Entwicklung und die sich daraus ergebenden Perspektiven können von Seiten der Gemeinde Fohnsdorf nicht kommentarlos hingenommen werden.

Ich, als Bürgermeister der Gemeinde Fohnsdorf fordere das Bundesministerium für Landesverteidigung, insbesondere den Bundesminister, auf die geplante Schließung zu überdenken und eine faire, immer zugesicherte Aufteilung nun auch vorzunehmen.

Weiters merke ich an, dass laut meinen Informationen eine Schaffung von neuen Arbeitsplätzen auch nach der geplanten Stationierung nicht vorgesehen ist. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sogar eine Reduktion der bestehenden Arbeitsplätze in Zeltweg vorgesehen ist. Meine Informationen besagen auch, dass die zur Zeit bestehenden 400 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2009 auf 120 Dienstposten verringert werden sollen.

Ich komme in diesem Schreiben auch nicht umhin, nochmals darauf hinzuweisen, dass von den versprochenen Kompensationsgeschäften für die heimische Wirtschaft weder zur Zeit etwas zu spüren, noch für die nächste Zukunft etwas zu erwarten ist. Als Bürgermeister der Gemeinde Fohnsdorf stelle ich mit Bestürzung fest, dass die Politik der Bundesregierung, Grundrechte der Österreichischen Bürger � wie das Recht zur Mitbestimmung � ignoriert, um nicht zu sagen mit Füßen tritt.

Österreich bezeichnet sich als Demokratie und so sollte es als ungeschriebenes Gesetz gelten, derartig einschneidende Veränderungen, wie sie im Zuge dieser Heeresreform bevorstehen auch und vor allem mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern zu diskutieren. Mein Demokratieverständnis setzt ebenso voraus, dass Maßnahmen, die auf Länder, Regionen und Gemeinden einen derartigen Einfluss haben, auch mit den zuständigen Regionalpolitikern diskutiert werden sollten.

Mit einer umfassenden Aufklärung sowie der Einbindung von Regionalpolitik und Bevölkerung könnte auf diverse wirtschaftliche und soziale Verschlechterungen nicht nur rechtzeitig, sondern für die Regionen auch sinnvoll reagiert werden.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Platter; als Bürgermeister der Gemeinde Fohnsdorf ersuche und fordere ich Sie nochmals sehr eindringlich auf, die getroffenen Entscheidungen zu überdenken. Es wäre mit Sicherheit ein Zeichen wahrer Größe, wenn Sie diesen Vorschlag überdenken, akzeptieren und sich mit mir in Verbindung setzen würden.
 

Mit freundlichen Grüßen
Der Bürgermeister von Fohnsdorf

Johann Straner

 


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