| Sehr geehrter Herr Bundesminister!
Mit größter
Verwunderung und Bestürzung musste ich in den vergangenen Tagen die
Pläne des Bundesheeres in Bezug auf die Veränderungen, beziehungsweise
Schließungen von einzelnen Kasernen vernehmen. Im Besonderen erregt
die Schließung des Stützpunktes Graz-Thalerhof meinen Unmut,
da die logische Konsequenz daraus die Stationierung aller 18 Abfangjäger
des Typs Eurofighter in der Fliegerwerft Zeltweg bedeutet.
Als Bürgermeister der Gemeinde Fohnsdorf
� jener Anrainergemeinde, die wohl die höchste Lärmbelastung
durch den Flugbetrieb zu tragen hat � verweise ich auf jene Vereinbarung,
die der Gemeinde Fohnsdorf zusichert, dass nur die Hälfte der angekauften
Flugkörper in Zeltweg stationiert werden.
Die Übernahme aller 18 Eurofighter
bringt eine enorme Steigerung der Lärmbelastung für die umliegenden
Gemeinden und insbesondere für die Gemeinde Fohnsdorf, die unmittelbar
an die Landebahn im Westen angrenzt, mit sich. Ende der 80er-Jahre wurden
aufgrund der Lärmbelastung von 105 dB Dauerschall bereits sehr viele
Liegenschaften durch die Republik Österreich abgelöst. Aufgrund
der zu erwartenden Steigerung des Lärmpegels durch die Stationierung
aller neuen Abfangjäger muss auch eine erneute Abwanderungswelle aus
dem Aichfeld befürchtet werden.
Diese Entwicklung und die sich daraus ergebenden
Perspektiven können von Seiten der Gemeinde Fohnsdorf nicht kommentarlos
hingenommen werden.
Ich, als Bürgermeister der Gemeinde
Fohnsdorf fordere das Bundesministerium für Landesverteidigung, insbesondere
den Bundesminister, auf die geplante Schließung zu überdenken
und eine faire, immer zugesicherte Aufteilung nun auch vorzunehmen.
Weiters merke ich an, dass laut meinen
Informationen eine Schaffung von neuen Arbeitsplätzen auch nach der
geplanten Stationierung nicht vorgesehen ist. Alle Anzeichen sprechen dafür,
dass sogar eine Reduktion der bestehenden Arbeitsplätze in Zeltweg
vorgesehen ist. Meine Informationen besagen auch, dass die zur Zeit bestehenden
400 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2009 auf 120 Dienstposten verringert
werden sollen.
Ich komme in diesem Schreiben auch nicht
umhin, nochmals darauf hinzuweisen, dass von den versprochenen Kompensationsgeschäften
für die heimische Wirtschaft weder zur Zeit etwas zu spüren,
noch für die nächste Zukunft etwas zu erwarten ist. Als Bürgermeister
der Gemeinde Fohnsdorf stelle ich mit Bestürzung fest, dass die Politik
der Bundesregierung, Grundrechte der Österreichischen Bürger
� wie das Recht zur Mitbestimmung � ignoriert, um nicht zu sagen mit Füßen
tritt.
Österreich bezeichnet sich als Demokratie
und so sollte es als ungeschriebenes Gesetz gelten, derartig einschneidende
Veränderungen, wie sie im Zuge dieser Heeresreform bevorstehen auch
und vor allem mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern zu
diskutieren. Mein Demokratieverständnis setzt ebenso voraus, dass
Maßnahmen, die auf Länder, Regionen und Gemeinden einen derartigen
Einfluss haben, auch mit den zuständigen Regionalpolitikern diskutiert
werden sollten.
Mit einer umfassenden Aufklärung sowie
der Einbindung von Regionalpolitik und Bevölkerung könnte auf
diverse wirtschaftliche und soziale Verschlechterungen nicht nur rechtzeitig,
sondern für die Regionen auch sinnvoll reagiert werden.
Sehr geehrter Herr Bundesminister Platter;
als Bürgermeister der Gemeinde Fohnsdorf ersuche und fordere ich Sie
nochmals sehr eindringlich auf, die getroffenen Entscheidungen zu überdenken.
Es wäre mit Sicherheit ein Zeichen wahrer Größe, wenn Sie
diesen Vorschlag überdenken, akzeptieren und sich mit mir in Verbindung
setzen würden.
Mit freundlichen Grüßen
Der Bürgermeister von Fohnsdorf
Johann Straner
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