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Was passiert mit dem
Jugendzentrum?
Anrainer fordern Schließung!
Ist die ,,Jugend" heutzutage wirklich so
schlecht, wie es aufgrund div. Vorkommnisse in der Vergangenheit und der
darauf folgenden Berichterstattung den Anschein erweckt?
Auf den ersten Blick ist man geneigt,
diese Frage mit einem eindeutigen ,,Ja" zu beantworten. Wenn man jedoch
bereit ist, etwas hinter die Kulissen zu blicken, dann gelangt man sehr
schnell zur Auffassung, dass das Problem wesentlich komplexer und deshalb
differenzierter zu betrachten ist, als es durch viele Medienberichte vermittelt
wird. Sehr schnell, wohl zu schnell, wird die Forderung aufgestellt, die
Jugendlichen mehr oder weniger abzusondern und an Orte zu verbannen, wo
sie nach Möglichkeit kaum in Berührung mit der übrigen sogenannten
,,zivilisierten" Welt kommen. Dabei wird übersehen, dass die Jugendlichen
in unserer nahezu ausschließlich an materiellen Werten orientierten
Gesellschaft kaum die Möglichkeit erhalten, ihre Persönlichkeit
so zu entwickeln, dass sie zu einem einigermaßen konfliktfreien Zusammenleben
mit den übrigen Mitgliedern unserer Gesellschaft befähigt werden.
Selbstverständlich ist es aber auch zu einfach, das unbestrittenermaßen
vorhandene Aggressionspotential unter jungen Menschen ausschließlich
auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Fehlentwicklungen zurückführen
zu wollen.
Wo sind die EItern?
Ebenso unbestritten ist allerdings, dass
die Persönlichkeit von Jugendlichen ganz wesentlich bereits in ihren
ersten Lebensjahren und auch später von ihrem familiären Umfeld
geprägt wird. In Zeiten, in denen
zwischenmenschliche Kommunikationsformen zunehmend verkümmern und
das aktive Gespräch zwischen Eltern und Kindern mehr und mehr durch
die Konsumation einer virtuellen Scheinwelt, wie sie zum Teil im Fernsehen
oder auf Videos geboten wird, ersetzt wird, darf es nicht verwundern, dass
die Fähigkeit, sich mit den Ängsten, Problemen und Sorgen anderer
auseinanderzusetzen gleichermaßen verloren geht. Im Vordergrund stehen
immer mehr die vorgeblichen Rechte jedes Einzelnen, während das Bewußtsein
hinsichtlich der Pflichten gegenüber der Gemeinschaft immer weniger
ausgeprägt ist. Letztendlich führt dies im besten Fall zu einem
ausschließlichen ,,Nebeneinander" verschiedener Bevölkerungsgruppen,
im schlimmeren Fall jedoch zu einem aggressiven ,,Gegeneinander".
Wer trägt die SchuId?
Die Schuld hiefür lediglich bei einer
Seite zu suchen wäre wohl zu einfach. Leider ist auch Zeltweg von
dieser Entwicklung nicht verschont geblieben. Während sich die Stadtgemeinde
bemüht hat, durch die Schaffung eines Jugendzentrums vernünftige
Kommunikationsformen für die Jugendlichen unserer Stadt zur Verfügung
zu stellen und zu fördern, hat gerade das Verhalten einesTeils dieser
Jugendlichen gegenüber den unmittelbaren Anrainern dazu geführt,
dass diese Einrichtung nunmehr in ihrer Gesamtheit in Frage gestellt wird.
Durch zahlreiche Unterschriften belegt fordern die Anrainer eine Verlegung
des Jugendzentrums an einen Ort, der eine weitere ,,Belästigung" durch
die Jugendlichen ausschließt. Dabei wird jedoch, bei aller Berechtigung
der Beschwerden über das Verhalten einzelner Jugendlicher, übersehen,
dass damit das Problem an sich keinesfalls gelöst werden kann. Wenn
man die fortschreitende Verwahrlosung der Jugendlichen betrachtet, deren
Aggressionen sich in zunehmenden Maße auch gegen die eigene Person
richten, so scheint die Sorge um deren künftige Entwicklung vollkommen
berechtigt zu sein. Es wird allerdings nicht damit abgetan sein, einzelne
Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen oder sogar auszugrenzen.
Eine minimale gegenseitige Gesprächsbereitschaft wird auch in Zukunft
erforderlich sein, um wenn schon nicht miteinander, so doch zumindest
nebeneinander in friedlicher Art und Weise leben zu können.
Miteinander statt gegeneinander
Die Verantwortlichen der Stadtgemeinde
bekennen sich zu einem ,,Miteinander". Wie aus Kreisen des Rathauses vernommen
wurde ist daher auch nicht daran gedacht, das Jugendzentrum zu verlegen
oder gar zu schließen. Sehr wohl werden aber die teilweise sicher
auch berechtigten Beschwerden und Anliegen der Anrainer sehr ernst genommen.
Als ersten Schritt wird die Stadtgemeinde deshalb eine, zwar schon oft
als Schlagwort strapazierte, deswegen aber nicht weniger sinnvolle Einrichtung,
nämlich jene des ,,Runden Tisches" ins Leben rufen. An diesen Tisch
sollen sich dieVerantwortlichen des Vereines Jugendzentrums' Vertreter
der Stadtgemeinde, betroffene Anrainer und nicht zuletzt die Jugendlichen
selbst setzen, um die Probleme zumindest einmal gemeinsam zu diskutieren
und nach Möglichkeit zu einer Lösung zu gelangen, die, wie bereits
ausgeführt, wenigstens ein einigermaßen er
trägliches ,,Nebeneinander" ermöglicht.
Parallel dazu hat es sich der Verein Jugendzentrum
zum Vorsatz gemacht, künftig in einem koordinierten Zusammenwirken
verschiedenster, mit Jugendproblemen konfrontierten Einrichtungen und Behörden,
wie z. B. dem Jugendreferat der Bezirkshauptmannschaft oder
den Streetworkern der Region, aber auch der Gendarmene, den auftretenden
Schwierigkeiten besser als bisher zu begegnen. Zu diesem Zweck wird es
auch regelmäßige ,,Helferkonferenzen" geben, in denen die auftretenden
Probleme und mögliche Gegenstrategien und Hilfestellungen beraten
werden sollen.
Kein Patentrezept in Sicht
Weitgehende Einigkeit herrscht auch darin,
dass Jugendliche nicht alles dürfen. Die elementarsten Spielregeln
für ein gut funktionierendes Zusammenleben müssen jedenfalls
eingehalten werden. Dort, wo sich Gewalt gegen fremde Sachen oder gar gegen
andere Personen richtet, werden Grenzen in einem Maß überschritten,
das nicht toleriert werden kann. Hier gilt es den Jugendlichen vor Augen
zu führen, dass sie in diesem Fall mit allen Konsequenzen zu rechnen
haben, die der österreichische Rechtsstaat kennt. Sachbeschädigungen,
körperliche Gewalt und andere Delikte müssen konsequent verfolgt
und bestraft werden, auch wenn damit die Probleme nicht von ihrer Wurzel
her bekämpft werden können.
Von den Verantwortlichen der Stadtgemeinde
wird die Entwicklung mit großen Sorgen verfolgt. Ein Patentrezept
zur Lösung der Probleme gibt es leider nicht, sehr wohl aber die Bereitschaft
alles zu versuchen, um die derzeitige Situation zu verbessern. Aus diesem
Grund hat der Verein Jugendzentrum seit Mitte November einen zweiten hauptamtlichen
Mitarbeiter eingestellt, dessen Personalkosten zur Gänze von der Stadtgemeinde
getragen werden. Damit soll einerseits das Betreuungsangebot insgesamt
im Jugendzentrum verbessert und andererseits die Möglichkeit geschaffen
werden, auf Einzelprobleme individuell eingehen zu können.
P.S.: In einem Brief an die Anrainer
hat der Bürgermeister bereits alle Betroffenen zu einer Zusammenkunft
eingeladen. Anfang Jänner werden sich Vertreter der Stadtgemeinde,
Verantwortliche des Vereines Jugendzentrum, betroffene Anrainer und Jugendliche
erstmals gemeinsam an einem ,,runden Tisch" gegenüber sitzen.
Zu diesem Artikel
erschien auch ein Brief zweier Jugendlicher:
"Während einer zweimonatigen Sommerpause
des Jugendzentrums kam es immer häufiger zu Diskrepanzen zwi-schen
Jugendlichen und Erwachsenen an öffentlichen Plätzen in Zeitweg.
Im Zuge dessen kam es auch immer öfter zu Kontakten mit der Gendarmerie,
was zu einer Verunsicherung der Jugendlichen führte. Aufgrund dessen
suchten wir; zwei Jugendliche, Rat beim Bürgermeister Dieser räumte
uns die Möglichkeit ein, unsere Sicht der Dinge an dieser Stelle zu
schildern.
Während der Sommermonate trafen wir
uns an öffentlichen Plätzen, und stehen auch dazu, dass wir dort
Alkohol konsumiert haben. Wir wollten damit aber nicht absichtlich Aufsehen
erregen. Da viele Jugendliche in diesen Wochen das Motto ,Freiheit' hatten,
kam es zu Grenzüberschreitungen und Konflikten. Wir appellieren hiermit
auch an die Erwachsenen, sich an ihre Jugend zurück zu erinnern und
zu überdenken, dass sicher auch Sie ver-sucht haben im Rahmen Ihrer
Möglichkeiten Grenzen auszutesten. Falls wir hier auch an Ihre Grenzen
gestoßen sind, laden wir Sie hiermit ein, mit uns darüber zu
diskutieren. Bunte Haarfarbe, ausgeflippte Klamotten sagen nichts über
unseren Charakter aus! Erst im Gespräch erfahren Sie, wie wir wirklich
sind!
Wir sind Jugendliche mit guten und schlechten
Eigenschaften und müssen uns erst unseren Weg in die Erwach-senenwelt
suchen. Dabei sind wir auch auf der Suche nach guten Vorbildern. Es gibt
sicher auch Erwachsene, die beim Thema Alkohol keine Grenzen kennen und
Erwachsene, die uns zeigen, dass man Alkohol auch mit Maß und Ziel
genießen kann.
Wir haben mit Erwachsenen auch gute Erfahrungen
gemacht, die verständnisvoll waren und die wir auch dazu gebracht
haben, sich mehr mit uns auseinander zu setzen. Auch wir haben die Chance
verdient, unseren Platz in der Gesellschaft zu finden und nicht aufgrund
von Vorurteilen ausgegrenzt zu werden." (Mel und Babe)
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