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Zeltweg Präsent berichtet im Dezember 1998 folgendes über das Jugendzentrum Zeltweg:
Was passiert mit dem Jugendzentrum?
Anrainer fordern Schließung!

Ist die ,,Jugend" heutzutage wirklich so schlecht, wie es aufgrund div. Vorkommnisse in der Vergangenheit und der darauf folgenden Berichterstattung den Anschein erweckt?
Auf den ersten Blick ist man geneigt, diese Frage mit einem eindeutigen ,,Ja" zu beantworten. Wenn man jedoch bereit ist, etwas hinter die Kulissen zu blicken, dann gelangt man sehr schnell zur Auffassung, dass das Problem wesentlich komplexer und deshalb differenzierter zu betrachten ist, als es durch viele Medienberichte vermittelt wird. Sehr schnell, wohl zu schnell, wird die Forderung aufgestellt, die Jugendlichen mehr oder weniger abzusondern und an Orte zu verbannen, wo sie nach Möglichkeit kaum in Berührung mit der übrigen sogenannten ,,zivilisierten" Welt kommen. Dabei wird übersehen, dass die Jugendlichen in unserer nahezu ausschließlich an materiellen Werten orientierten Gesellschaft kaum die Möglichkeit erhalten, ihre Persönlichkeit so zu entwickeln, dass sie zu einem einigermaßen konfliktfreien Zusammenleben mit den übrigen Mitgliedern unserer Gesellschaft befähigt werden. Selbstverständlich ist es aber auch zu einfach, das unbestrittenermaßen vorhandene Aggressionspotential unter jungen Menschen ausschließlich auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Fehlentwicklungen zurückführen zu wollen.

Wo sind die EItern?
Ebenso unbestritten ist allerdings, dass die Persönlichkeit von Jugendlichen ganz wesentlich bereits in ihren ersten Lebensjahren und auch später von ihrem familiären Umfeld geprägt  wird.  In  Zeiten,  in  denen  zwischenmenschliche Kommunikationsformen zunehmend verkümmern und das aktive Gespräch zwischen Eltern und Kindern mehr und mehr durch die Konsumation einer virtuellen Scheinwelt, wie sie zum Teil im Fernsehen oder auf Videos geboten wird, ersetzt wird, darf es nicht verwundern, dass die Fähigkeit, sich mit den Ängsten, Problemen und Sorgen anderer auseinanderzusetzen gleichermaßen verloren geht. Im Vordergrund stehen immer mehr die vorgeblichen Rechte jedes Einzelnen, während das Bewußtsein hinsichtlich der Pflichten gegenüber der Gemeinschaft immer weniger ausgeprägt ist. Letztendlich führt dies im besten Fall zu einem ausschließlichen ,,Nebeneinander" verschiedener   Bevölkerungsgruppen,   im schlimmeren Fall jedoch zu einem aggressiven ,,Gegeneinander".

Wer trägt die SchuId?
Die Schuld hiefür lediglich bei einer Seite zu suchen wäre wohl zu einfach. Leider ist auch Zeltweg von dieser Entwicklung nicht verschont geblieben. Während sich die Stadtgemeinde bemüht hat, durch die Schaffung eines Jugendzentrums vernünftige Kommunikationsformen für die Jugendlichen unserer Stadt zur Verfügung zu stellen und zu fördern, hat gerade das Verhalten einesTeils dieser Jugendlichen gegenüber den unmittelbaren Anrainern dazu geführt, dass diese Einrichtung nunmehr in ihrer Gesamtheit in Frage gestellt wird. Durch zahlreiche Unterschriften belegt fordern die Anrainer eine Verlegung des Jugendzentrums an einen Ort, der eine weitere ,,Belästigung" durch die Jugendlichen ausschließt. Dabei wird jedoch, bei aller Berechtigung der Beschwerden über das Verhalten einzelner Jugendlicher, übersehen, dass damit das Problem an sich keinesfalls gelöst werden kann. Wenn man die fortschreitende Verwahrlosung der Jugendlichen betrachtet, deren Aggressionen sich in zunehmenden Maße auch gegen die eigene Person richten, so scheint die Sorge um deren künftige Entwicklung vollkommen berechtigt zu sein. Es wird allerdings nicht damit abgetan sein, einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen oder sogar auszugrenzen. Eine minimale gegenseitige Gesprächsbereitschaft wird auch in Zukunft erforderlich sein, um  wenn schon nicht miteinander, so doch zumindest nebeneinander  in friedlicher Art und Weise leben zu können.

Miteinander statt gegeneinander
Die Verantwortlichen der Stadtgemeinde bekennen sich zu einem ,,Miteinander". Wie aus Kreisen des Rathauses vernommen wurde ist daher auch nicht daran gedacht, das Jugendzentrum zu verlegen oder gar zu schließen. Sehr wohl werden aber die teilweise sicher auch berechtigten Beschwerden und Anliegen der Anrainer sehr ernst genommen. Als ersten Schritt wird die Stadtgemeinde deshalb eine, zwar schon oft als Schlagwort strapazierte, deswegen aber nicht weniger sinnvolle Einrichtung, nämlich jene des ,,Runden Tisches" ins Leben rufen. An diesen Tisch sollen sich dieVerantwortlichen des Vereines Jugendzentrums' Vertreter der Stadtgemeinde, betroffene Anrainer und nicht zuletzt die Jugendlichen selbst setzen, um die Probleme zumindest einmal gemeinsam zu diskutieren und nach Möglichkeit zu einer Lösung zu gelangen, die, wie bereits ausgeführt, wenigstens ein einigermaßen er
trägliches ,,Nebeneinander" ermöglicht.
Parallel dazu hat es sich der Verein Jugendzentrum zum Vorsatz gemacht, künftig in einem koordinierten Zusammenwirken verschiedenster, mit Jugendproblemen konfrontierten Einrichtungen und Behörden, wie z. B. dem Jugendreferat  der  Bezirkshauptmannschaft oder den Streetworkern der Region, aber auch der Gendarmene, den auftretenden Schwierigkeiten besser als bisher zu begegnen. Zu diesem Zweck wird es auch regelmäßige ,,Helferkonferenzen" geben, in denen die auftretenden Probleme und mögliche Gegenstrategien und Hilfestellungen beraten werden sollen.

Kein Patentrezept in Sicht
Weitgehende Einigkeit herrscht auch darin, dass Jugendliche nicht alles dürfen. Die elementarsten Spielregeln für ein gut funktionierendes Zusammenleben müssen jedenfalls eingehalten werden. Dort, wo sich Gewalt gegen fremde Sachen oder gar gegen andere Personen richtet, werden Grenzen in einem Maß überschritten, das nicht toleriert werden kann. Hier gilt es den Jugendlichen vor Augen zu führen, dass sie in diesem Fall mit allen Konsequenzen zu rechnen haben, die der österreichische Rechtsstaat kennt. Sachbeschädigungen, körperliche Gewalt und andere Delikte müssen konsequent verfolgt und bestraft werden, auch wenn damit die Probleme nicht von ihrer Wurzel her bekämpft werden können.
Von den Verantwortlichen der Stadtgemeinde wird die Entwicklung mit großen Sorgen verfolgt. Ein Patentrezept zur Lösung der Probleme gibt es leider nicht, sehr wohl aber die Bereitschaft alles zu versuchen, um die derzeitige Situation zu verbessern. Aus diesem Grund hat der Verein Jugendzentrum seit Mitte November einen zweiten hauptamtlichen Mitarbeiter eingestellt, dessen Personalkosten zur Gänze von der Stadtgemeinde getragen werden. Damit soll einerseits das Betreuungsangebot insgesamt im Jugendzentrum verbessert und andererseits die Möglichkeit geschaffen werden, auf Einzelprobleme individuell eingehen zu können.

P.S.: In einem Brief an die Anrainer hat der Bürgermeister bereits alle Betroffenen zu einer Zusammenkunft eingeladen. Anfang Jänner werden sich Vertreter der Stadtgemeinde, Verantwortliche des Vereines Jugendzentrum, betroffene Anrainer und Jugendliche erstmals gemeinsam an einem ,,runden Tisch" gegenüber sitzen.

 Zu diesem Artikel erschien auch ein Brief zweier Jugendlicher:

"Während einer zweimonatigen Sommerpause des Jugendzentrums kam es immer häufiger zu Diskrepanzen zwi-schen Jugendlichen und Erwachsenen an öffentlichen Plätzen in Zeitweg. Im Zuge dessen kam es auch immer öfter zu Kontakten mit der Gendarmerie, was zu einer Verunsicherung der Jugendlichen führte. Aufgrund dessen suchten wir; zwei Jugendliche, Rat beim Bürgermeister Dieser räumte uns die Möglichkeit ein, unsere Sicht der Dinge an dieser Stelle zu schildern.
Während der Sommermonate trafen wir uns an öffentlichen Plätzen, und stehen auch dazu, dass wir dort Alkohol konsumiert haben. Wir wollten damit aber nicht absichtlich Aufsehen erregen. Da viele Jugendliche in diesen Wochen das Motto ,Freiheit' hatten, kam es zu Grenzüberschreitungen und Konflikten. Wir appellieren hiermit auch an die Erwachsenen, sich an ihre Jugend zurück zu erinnern und zu überdenken, dass sicher auch Sie ver-sucht haben im Rahmen Ihrer Möglichkeiten Grenzen auszutesten. Falls wir hier auch an Ihre Grenzen gestoßen sind, laden wir Sie hiermit ein, mit uns darüber zu diskutieren. Bunte Haarfarbe, ausgeflippte Klamotten sagen nichts über unseren Charakter aus! Erst im Gespräch erfahren Sie, wie wir wirklich sind!
Wir sind Jugendliche mit guten und schlechten Eigenschaften und müssen uns erst unseren Weg in die Erwach-senenwelt suchen. Dabei sind wir auch auf der Suche nach guten Vorbildern. Es gibt sicher auch Erwachsene, die beim Thema Alkohol keine Grenzen kennen und Erwachsene, die uns zeigen, dass man Alkohol auch mit Maß und Ziel genießen kann.
Wir haben mit Erwachsenen auch gute Erfahrungen gemacht, die verständnisvoll waren und die wir auch dazu gebracht haben, sich mehr mit uns auseinander zu setzen. Auch wir haben die Chance verdient, unseren Platz in der Gesellschaft zu finden und nicht aufgrund von Vorurteilen ausgegrenzt zu werden."   (Mel und Babe)
 

 
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